Erkennen, wie unser System Familie funktioniert, welche Beziehungen hilfreich und welche schwierig sind.
Vor allem: Wie läßt es sich verbessern, wie sind Verstrickungen lösbar?

Oft übernehmen wir unbewußt schon als Kind eine Rolle, die unser ganzes Leben beschweren kann. Beim Familienaufstellen wird die Rollenverteilung wieder in Ordnung gebracht. Einiges löst sich schon dadurch, daß es endlich erkannt wird.

Wir alle kennen Kulturen, in denen z.B. die älteste Tochter einer Familie nach dem Tod der Mutter automatisch deren Aufgabe mit allen Rechten und Pflichten übernimmt – auch wenn sie erst 12 Jahre alt ist.
Ähnliches gilt für alle, die aus dem System Familie herausfallen, egal ob verstorben oder verstoßen. Schlimm wird es, wenn jemand unbewußt die Rolle des verstoßenen „Schwarzen Schafes“ übernimmt. Schwierig ist es auch, wenn über ehemalige Familienmitglieder geschwiegen wird (die totgeborene Schwester, der Nazionkel, die verrückte Großmutter, …). dann fehlt der nachfolgenden Generation jede Information. Solche Familiengeheimnisse über verschwiegene oder verstoßene Mitglieder wirken viel stärker, als wenn offen darüber gesprochen würde.

Woher dieses Verhalten kommt ist nur zu vermuten. Wahrscheinlich hatten wir es schon in der Steinzeit, als es nötig war, daß jede Rolle in der Horde immer ausgefüllt wurde. Damit wäre es ein genetisch festgelegtes Sozialverhalten.

Es ist allerdings zu ändern, wenn uns klar wird, welche Rolle (oder Rollen) wir da übernommen haben und daß es Unsinn ist, daß es der Familie keinen Vorteil bringt. Jedes Sozialverhalten soll für die Gruppe sein, alle stärken und stützen. In dem Sinne ist es also schädlich, süchtig zu werden, indem ich unbewußt die Rolle der saufenden Tante übernehme (von der nie jemand spricht).

Familienstellen geht nur in der Gruppe:
Jemand schildert eine aktuelle Schwierigkeit in seinem Leben und der Leiter / die Leiterin entscheidet, welche Familienangehörigen gebraucht werden. Der Teilnehmer sucht dann aus der Gruppe entsprechende Stellvertreter aus, natürlich auch jemanden für sich und verteilt (stellt) sie so in den Raum, wie sie nach seinem Gefühl zueinander stehen. Was jetzt kommt, ist nicht erklärbar, aber die so Aufgestellten sind in der Lage, Gefühle zu beschreiben von Leuten, die ihnen völlig unbekannt sind.

Da kommt es zum Beispiel vor, daß ein „Vater“ über eines der „Kinder“ sagt: Der / die ist nicht mein Kind. Evtl. stimmt das sogar, aber auf jeden Fall hatte dieses Kind nie einen Vater, weil es nicht als eigenes Kind angenommen wurde. Seelische Schäden beliebiger Art wurden so ermöglicht.

Nach dem Aufdecken solcher Konflikte geht es darum, die Ordnung wieder herzustellen, Positionen zu finden, in denen sich alle möglichst wohl fühlen.
Seltsamerweise wirkt das auch auf die real nicht anwesenden Familienmitglieder, vielleicht weil das Verhalten des Teilnehmers ihnen gegenüber anders wird.